Der Struwwelpeter! Lustig? Drollig??

Der Kinderbuchklassiker von Dr. Heinrich Hoffmann ist echt buchverrückt.




«Sieh einmal, hier steht er, pfui, der Struwwelpeter! An den Händen beiden liess er sich nicht schneiden seine Nägel fast ein Jahr; kämmen liess er nicht sein Haar. Pfui, ruft da ein jeder: Garstger Struwwelpeter!»


So beginnt das Buch von Dr. Heinrich Hoffmann: «Frankfurter Originalausgabe, Loewes Verlag Ferdinand Carl», ohne Datum. Zustand und Machart lassen auf die 1960er- oder 1970er-Jahre schliessen.


Wann haben Sie das letzte Mal in diesem Buchklassiker geblättert? Originaltitel: «lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 bis 6 Jahren». Na, das klingt doch verlockend und zeitlos. Also stürzte ich mich in das Buchvergnügen.


Das Original wurde von Dr. Heinrich Hoffmann, Arzt und Psychiater aus Frankfurt, im Jahr 1844 geschrieben und gezeichnet - zu Weihnachten für seinen damals 3-jährigen Sohn. Er habe nur alberne, lange und moralisierende Geschichten gefunden, die einem Kind nicht zuzumuten wären, heisst es. Deshalb schrieb und zeichnete er kurzerhand selbst ein Buch, wie er es sich für seinen Sohn wünschte.


Wer heute seinem Kind diese «lustigen und drolligen» Geschichten auftischt, womöglich vor dem Einschlafen, muss sich bald vor der KESB fürchten.


Die Titelgeschichte «Der Struwwelpeter» ist die kürzeste im Band und eigentlich die harmloseste. Ein paar Seiten weiter erschiesst ein Hase den Jäger, dem Daumenlutscher werden die Daumen mit einer überdimensionalen Schere gestutzt und der Suppen-Kaspar endet als «Fädchen» im Grab. In diesem Kinderbuchklassiker wird gemordet, gefoltert und gestorben. Fast auf jeder Seite, es ist ein Graus.


Struwwelpeter war so erfolgreich, dass es unzählige Nachahmer und die skurrilsten Versionen davon gibt. Mehr dazu hier auf WIKIPEDIA.


Wirklich lustig finde ich, was früher als lustig galt. Dr. Heinrich Hoffmann empfand den Mahnfinger in den Kinderbüchern des Jahres 1844 zu moralisierend und zurechtweisend. Jetzt, 175 Jahre später, staunen wir über das Moralisieren und die erzieherischen Versuche in Hoffmanns Werk. Wie sich doch mit der Zeit die Empfindungen verändern ...


Ich habe auch vier Kindergeschichten geschrieben und diese soeben als Sammelband «4 fabelhafte Seelenmärchen aus der Schweiz» publiziert. Ja, wie Dr. Heinrich Hoffmann damals glaube auch ich, dass wirklich gute Kinderbücher eine Botschaft transportieren sollten. Was damals mit dem Mahnfinger geschah, funktioniert heute wohl - und zum Glück! - über das Herz.


Meine Figuren sollen nicht abschrecken, sondern Herzen gewinnen. Wie beispielsweise der Igeljunge Ägid, der ohne Stacheln zur Welt kam und Möglichkeiten sucht, sich zu schützen. In einer anderen Geschichte erzähle ich von Schlingelinchen, ein kleines, durchsichtiges Mädchen mit leuchtend pinkem Haar, das aus den Pflanzenblättern die Geschichten in unsere Menschenwelt liest. Irgendwie fühle ich mich manchmal wie Ägid. Und noch öfter so wie Schlingelinchen.


Als Erwachsene mag ich übrigens immer noch Märchen und Geschichten, die mein Herz wärmen. Deshalb sind meine «Seelenmärchen» für alle geschrieben - von Herzen. Und zwei davon erzähle ich sogar und gibt es als mp3-Hörbücher in meinem Shop.


Herzliche Grüsse, der buchverrückte Wortfeger Tanja Alexa Holzer


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4 fabelhafte Seelenmärchen aus der Schweiz - als E-Book im Shop 4 fabelhafte Seelenmärchen aus der Schweiz - als Taschenbuch im Shop



Wer das Original «Der Struwwelpeter» lesen möchte, findet es heute immer noch im Buchhandel. Mein Fazit: Ja, es ist ein Klassiker, der einmal im Leben gelesen und angeschaut werden sollte. Wer sich bald 200 Jahre auf dem Buchmarkt halten kann, hat es verdient!

Das Bilderbuch gibt es auch als günstige E-Book-Ausgabe.





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