Nein, wir brauchen nicht zu malen, nicht zu singen ... oder zu schreiben!

Was treibt einen Künstler an, zu malen oder es sein zu lassen? Zu singen? Zu schreiben? Oder eben nicht?


© Wortfeger Media, Schweiz


Vor zwei Tagen sass ich einem Künstler gegenüber, in seinem Atelier. Wir diskutierten. Um uns stapelweise Bilder. Seine.

Er: «Ich male nicht mehr viel und werfe immer mehr meiner Bilder weg ... Für was soll ich malen? So viele malen!»

Er zeigt um sich. Ja, hier stehen unzählige Bilder. Im Moment unbeachtet, still. Für ihn allein zeigen sie gerade ihre Ausdruckskraft. Eine nächste Ausstellung ist nicht in Sicht. Der Traum, mit der Kunst so richtig - also so richtig-richtig - erfolgreich zu werden, ist ausgeträumt, wie er mir sagt.

Seine Worte schmerzten in meiner Seele. Und doch hat er unerträglich recht. So viele malen, träumen davon, eines Tages von ihren Werken leben zu können. Wie viele können dies tatsächlich? Ein Bruchteil.

So viele singen, träumen davon, eines Tages von ihrem Gesang leben zu können. Wie viele können es wirklich? ...! Eben.

Sooo viele schreiben und träumen davon, eines Tages von ihrem Geschriebenen leben zu können. Amazon ist voll. Die Verlage überhäuft. Wenn ich in der Funktion als Gebrauchtbuchhändlerin kistenweise Bücher entsorge, die niemand mehr lesen will, geschweige denn sie in den Regalen stehen haben möchte, wird mir schlecht. Heute zum Glück weniger als noch vor ein paar Jahren.

«Meh gwöhnt sich dra.»

Ein bisschen zumindest.

Das Malen, Singen, Schreiben und auch das Tanzen - all das funktioniert nur mit Leidenschaft, mit Herzblut, getränkt von Begeisterung und Schmerz. Ja, auch von Schmerz. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das Schreiben schmerzt - doch das Nicht-Schreiben tut noch viel mehr weh! Der kleinere Schmerz ist also, zu schreiben, immer wieder. Das Schreiben polarisiert und vereint, hilft zu verstehen, stösst an, bewegt ... und hält manchmal auch ganz still. Schreiben kann alles. Oft «schreibt es mich» - wie durch eine fremde Kraft. Dann bin ich wehrlos. Den Worten ausgeliefert. Ja, das Schreiben ist Hingabe.

Sollte ich eines Tages damit aufhören, bedeutet dies, die Leidenschaft ist weg? Und mit ihr der Schmerz, der Drang des Schreibens? Bin ich dann tot? Oder frei? Oder was? Ich will es mir nicht vorstellen. Ein Leben ohne zu schreiben. Nein. Ich will nicht. Niemals. Ich schreibe und habe keine andere Wahl.

Ob jemand lesen mag, was ich schreibe, ist nicht relevant. Ausser wenn ich im Auftrag für Kunden schreibe, schon klar, dann sind die Worte geschliffen und gefärbt. Sie sollen, ja, sie müssen Leser finden. Aber von diesem Schreiben philosophiere ich hier gerade nicht. Ich meine dieses ganz bestimmte, verflixte Schreiben, jenes in diesem Blog und meiner eigenen Bücher ... Jenes, an dem Hemingway verzweifelte und so manch anderer Autor daran verrückt geworden ist.

Und ich schwöre, ich habe noch so viele Ideen! Ich muss mindestens 119 Jahre alt werden. Keine Zeit zum Verrücktwerden oder Hemingways Ausweg zu nehmen ... keine Sorge.


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Danke & herzlich, der buchverrückte Wortfeger,

Tanja A. Holzer

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